Konzept statt Notversorgung – Schutz für unbegleitete Jugendliche

Oktober 2015:

Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht für junge geflüchtete Menschen im Land Berlin. Zuerst die gute: Der Verein AKINDA (Ausländische Kinder in Deutschland – Allein), der sich um Vormundschaften für Minderjährige kümmert, kann weiter arbeiten. AKINDA bereitet Vormünder auf ihre Aufgaben vor, vermittelt sie und berät sie während ihrer Tätigkeit. Diese Arbeit stand in Frage, als die Finanzierung des Vereins vor Kurzem auslief. Inzwischen haben die Senatsverwaltung für Bildung und der EU-Fonds für Asyl, Migration und Integration gemeinsam das Budget gestellt, das AKINDA braucht.

Ich freue mich über diesen Erfolg! Er ist Ergebnis einer guten Arbeit im Berliner Netzwerk. Denn dass die Arbeit von AKINDA dringend nötig ist, zeigen die Lebensbedingungen von geflüchteten Minderjährigen im Land Berlin – und das ist die schlechte Nachricht. In Notunterkünften für minderjährige unbegleitete Flüchtlinge werden die Jugendlichen nicht nur (wie gedacht) mit Essen und einem Bett für die erste Not versorgt. Diese Notunterkünfte werden zum Dauerwohnsitz: Bis zu fünf Monate wartet beispielsweise ein Bewohner der Notunterkunft in der Storkower Straße, bis er sich erstmals beim Jugendamt vorstellen kann. „Was geschieht weiter mit mir? Wo komme ich hin?“ – fünf Monate lang gibt es keine Antwort auf diese Fragen. Für junge Menschen, die ohne Familie hier allein in Deutschland sind, eine besonders schwierige Situation.

Hier ist der Senat dringend gefordert, diese Prozesse zu beschleunigen. Junge Geflüchtete, die ohne ihre Familie oder Vertraute fern der Heimat sind, stehen in Deutschland ab dem ersten Tag unter besonderem Schutz des Kinder- und Jugendhilfegesetzes. Dort heißt es programmatisch im Paragraph 1: „Jeder junge Mensch hat ein Recht auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit.“ Das gilt ab dem ersten Tag, nicht erst nach fünf Monaten.

Foto: Katrin Seidel in einer Diskussion zum Thema unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Bürgerbüro